Ein paar Bilder aus der Prunksitzung


Die Jugendgarde "Die Kraichbachspatzen" zeigt ihr Können.


Die Elferräte, der Gastelferrat von der Rheinschanze in Mannheim
und das Dreigestirn amüsieren sich prächtig.


Die Aktivengarde "Schwarz-Gold" zeigt ihr Können.


Das Männerballett gibt auch dieses Jahr wieder
eine perfekte Vorstellung.


Das Publikum ist, angeheizt durch die Jeti's,
bis spät in die Nacht aus dem Häuschen..




Hier ein ausführlicher Bericht über die Prunksitzung

45. große närrische Prunksitzung mit vielen Highlights

Musik war Trumpf


"Auch wir passen uns der Zeit an und haben den Gürtel, symbolisch gesprochen, etwas enger geschnallt," verkündete Ehrensitzungspräsident Siegfried von Sagunski bei der Eröffnung der Prunksitzung am vergangenen Samstag. Gemeint war die Konzentration auf die Zweidrittelhalle, um die Lücken im hinteren Teil der Halle zu schließen, "denn mit Tuchfühlung lacht und singt und schunkelt sich’s besser."
Und dann gingen sie an, die Lichter zur 45. großen närrischen Prunksitzung der Reilinger "Käskuche". Die einfallsreichen Kostüme des Publikums passten so recht zum großen Einmarsch der närrischen Streitmacht unter musikalischer Begleitung der Musikkapelle "Yetis" aus Stockach, welche die weite Reise nach Reilingen nicht gescheut hatten, um einmal eine Sitzung ihrer badischen "Nordlichter" mitzuerleben. Nach wenigen Minuten bot die Bühne ein buntes Bild mit Garden, Elferrat, Ehrensenatoren, dem Dreigestirn, dem Gastelferrat "Rheinschanze" aus Ludwigshafen mit ihrem Stadtprinzenpaar Birgit I. und Jan Leo I.. Viel Prominenz aus Politik und Karneval, Gäste aus Köln, Saarbrücken und der Schweiz konnte Präsident Karlheinz Elsenbast begrüßen, ehe die Bütt für die Eröffnungsrede des Bürgermeisters und Ehrensenators Walter Klein herein geschoben wurde. Wieder einmal mahnte das Ortsoberhaupt die fehlenden Faschingsveranstaltungen aus früheren Jahren an, besonders den Rosenmontagsball als Höhepunkt der Fasnacht in Reilingen.
Der Präsident hatte wie immer ein schwungvolles Programm zusammengestellt, und mit den Froschteichsängern kam gleich zu Beginn die richtige Fasnachtsstimmung in die Halle. Wie schnell die vier Profis aus Waldbrunn die Narren im Griff hatten und zum Mitsingen und Schunkeln animierten, war schon sehens- und hörenswert. Die erste Rakete des Abends war sicher verdient. Zum ersten Mal in Reilingen war die "Tolle Dolle", Corinna Kuhn aus Frankfurt, bekannt aus der Fernsehsitzung "Hessen lacht zur Fassenacht." Ihre umwerfend komische Figur war mitbestimmend für die Begeisterung mit der ihre knallharten Pointen vom Publikum aufgenommen wurden. Ein Original der Pfälzer Fasnacht, Oliver Sauer, bekannt als "de Molly" ist seit Jahren Stammgast in Reilingen. Und das nicht ohne Grund. Jede Situation im Saal und beim Elferrat nutzte er für seine Gags und Pointen aus, die er schier unausschöpflich auf Lager hat. Es war der beste Vortrag des Abends. Als "älteres" Fräulein Baumann wackelte im Look des vorigen Jahrhunderts Dr. Markus Weber aus Weinheim auf die Bühne. Ganz im Stil einer alten Jungfer wusste "sie" von haarsträubenden Erlebnissen mit Männern zu berichten. "Warum tanzen sie mit mir immer links rum? - Wenn ich rechts rum tanze, schraubt sich mein Holzbein raus." Mit solchen oder ähnlichen Kalauern erntete der in Reilingen bestens bekannte Redner tosenden Beifall. So manche Begebenheit aus dem Reilinger Dorfleben nahm wieder Ortsbüttel Peter Geng unter die närrische Lupe. So machte er sich nicht nur über das geklaute Ortsschild und das neue mit orthografischem Fehler, sondern auch um das Dreigestirn seine eigenen Gedanken. "Die Drei sind von zweifelhafter Herkunft. Der Bauer ist kein Landwirt, der Prinz hat kein blaues Blut und die Jungfrau weigert sich, ihren Zustand vom Elferrat prüfen zu lassen."
Zu den Höhepunkten des Abends zählte zweifellos der Auftritt der "Dubbeglasbrieder" aus Frankenthal. Schorle-Rock vom Feinsten boten Willi Brausch und Olli Herrmann. Die Narren gingen begeistert mit, ob als Affen oder Urwaldbäume, die Halle wogte im Takt der Musik. Man nahm es ihnen ab, dass sie es ehrlich meinten, noch nirgends so begeistert aufgenommen worden zu sein, wie in Reilingen. Mitten im karnevalistischen Geschehen war dann wieder das "Karlsche" mit feuerrotem Hemd, ebensolchen Schuhen und dem unvermeidlichen kleinen roten Auto. Präsident Elsenbast hatte wieder seine singende Rolle übernommen und riss einmal mehr als Stimmungssänger das Publikum mit und ließ kurz vor Ende der Sitzung noch einmal die Närrinnen und Narren auf Stühlen und Tischen ausgelassen singen und tanzen. "So ist er unser Präsident, so fühlt er sich im Element, wenn rings um ihn die Narren toben. Den Auftritt muss man nur noch loben" dichtete Ehrensitzungspräsident Siegfried von Sagunski, der zwischenzeitlich die Leitung der Sitzung übernommen hatte.
Die Garden und Tanzmariechen des Vereins zogen sich wie ein lebendig-temperamentvoller roter Faden durch die Prunksitzung Garde- und Schautanz, das sind seit vier Jahrzehnten die Aushängeschilder der Reilinger Karnevalisten und dieser Tradition ist man stets treu geblieben, das wurde bei der jüngsten Prunksitzung wieder deutlich. Alles beginnt fröhlich und ganz natürlich und lebhaft bei den Kleinsten, liebenswerterweise "Krümelgarde" genannt. Präsident Elsenbast nennt sie auch noch "meine Präsidentengarde". Den Mädchen sieht man die Freude an der Bewegung an. Die Natürlichkeit ist viel wichtiger als Exaktheit, gemeinsam anfangen, gemeinsam aufhören - und das zwischendurch klappt auch irgendwie. Viel Beifall auch für die Trainerinnen Tanja Klar und Andrea Werner. Tränen gab es beim Auftritt des neuen Jugendtanzmariechens. Nur wenige Wochen im Training machte die Aufregung dem Tanz vorzeitig ein Ende. Tröstende Worte von ihrer Trainerin Katarina Schmitt und dem Beifall des Publikums machten alles wieder gut. Schwungvoll präsentierte sich die Jugendgarde unter der Leitung von Isabell Czech, Sonja Kornfeld und Birgit Neuschäfer und die Juniorengarde tat es ihnen gleich, was Nina Riedel und Heide Pöschel freute. Viel Beifall gab es für das zierliche Jugendtanzmariechen Darja Balatzki, die zusammen mit Lukas Müller schon badische Meister geworden war. Einen richtiggehenden klassischen Gardetanz, schwungvoll choreografiert und exakt getanzt, präsentierte die Seniorengarde mit solcher Power, das sogar die Musik CD im angrenzenden Tonstudio ins Wanken geriet. Faszinierend war wieder einmal die Schautanzgruppe. 17 junge Damen zauberten ein Feuerwerk an Schrittvielfalt, Tempo und Präzision auf die Bühne, dass es einem fast den Atem verschlug. "Frankreich" war das Thema ihrer Schau und von Baguette über Napoleon und die Clochards war alles vertreten, was man musikalisch und tänzerisch französisch ausdrücken kann. Hinter ihnen steht eine Frau, die Sagunski bei der Absage als "Grande Dame" des Reilinger Gardetanzes bezeichnete: Elisabeth Gärtner. Ihre Schwester Annemarie Grahlert, jahrelang als Betreuerin der Truppe tätig, gab ihr Amt auf und wurde mit viel Beifall, Geschenk und "Käskuche Ahoi" verabschiedet. Jeder versierte Sitzungsbesucher weiß, da fehlt noch was und das kann nur das Männerballett sein, das den Schluss der Sitzung einläutet. Sie wurden nicht enttäuscht. Vom Mars waren sie gekommen in giftgrünen Umhängen und mit ebensolchen Gesichtern, Antennen zitterten auf den Kopfen und vor ihnen schaukelte das Space Shuttle mit dem "Raumschiffer" Rudolf Grahlert am Steuer. Nach rasantem Kostümwechsel schwebten 24 stramme Männerwaden "losgelöst von der Erde" außerirdisch über die Bühne und der Jubel kannte keine Grenzen. Es gab keine Verschnaufpause, die Wiederholung wurde lautstark gefordert. Das alles hatte Katja Englert einstudiert und auch für die Kostüme gesorgt.
Zum großen Finale zogen noch einmal die "Yetis" mit fallenden Luftballons alle Register ihres Könnens und setzten den gelungenen Schlusspunkt unter die vielseitige Sitzung, der sich schließlich noch flotte Tanzmusik der Hauskapelle "Starlight" nahtlos anschloss.
Leider wird es sich bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung nicht vermeiden lassen, dass Andersdenkende und Unbelehrbare in ihrer Umgebung störend auffallen. Dies mit einer schlechten Tonqualität in Verbindung zu bringen, ist zu einfach. Störungen aus den eigenen Reihen sollten jedoch in Zukunft nicht mehr hingenommen werden.
Wir machen weiter, es lebe die Fasnacht! Darauf drei donnernde Käskuche Ahoi!
svs