Ein paar Bilder aus der Prunksitzung

Die Streitmacht ist einmarschiert


Christine I. und Gerhard I.


Brummer und Spreißel


Der Ortsbüttel, Gemeinderat Peter Geng
mit seinen Bekanntmachungen




Die "Käskuche" präsentieren närrisches Kaleidoskop

Vom singenden Präsidenten bis zum schwäbischen Prinzen
Ortsbüttel mit der großen Schelle und seinen Beeekanntmachungen

Zum 42. Male in der bewegten Erfolgsgeschichte der Reilinger "Käskuche" gingen am 7. Februar um 19.33 Uhr die Lichter zur großen Prunksitzung an. So war auch an diesem Samstag "volles Haus" zu verzeichnen, das Publikum ist teilweise einfallsreich verkleidet, aber auch "das kleine Schwarze" passt ideal in den karnevalistischen Rahmen, den die "Käskuchen" in diesem Jahr sehr weit gesteckt haben, Revue und Kabarett ergänzen nach und nach die urige "Fassenacht".

Ein temperamentvolles Kapitel für sich sind die Reilinger Garden, von den Tanzkrümeln bis zur großen Show-Tanz-Gruppe. Sie zogen sich wie ein roter Faden durch den Prunksitzungsabend.

Strahlend und gut gelaunt begrüßte Ehrensitzungspräsident Siegfried von Sagunski die illustre Gästeschar, zu der nicht nur viele Gemeinderäte und solche, die es werden wollen, sondern auch Reilingens Bürgermeister Walter Klein ebenso gehörte wie sein Altlußheimer Amtskollege Hartmut Beck. Siegfried von Sagunski rief die "närrische Streitmacht" auf die Bühnen und binnen weniger Minuten bot die Bühne ein buntes Bild mit Garden, Elferrat, dem Gastelferrat von "Hans Warsch" aus Oggersheim sowie den Senatoren, eine Abteilung des Vereins, die seit genau 40 Jahren besteht.

Mitten im Geschehen dabei das allererste Prinzenpaar in der Reilinger Karnevalshistorie. Christina I. von Touristika und Gerhard I. von Transportanien gaben in ihrem gemeinsamen Prolog eine kleine Zwischenbilanz ihrer närrischen Engagements, wobei ganz deutlich wurde, wie intensiv sich die beiden mit ihrer fröhlichen Rolle identifizieren können. Die "Internationalität der Kurpfälzer Fasnacht" wird dabei auch noch dadurch unterstrichen, dass der Prinz "schwäbisch" spricht.

Sitzungspräsident Karlheinz Elsenbast hatte ein schwungvolles und vielseitiges Programm angekündigt und mit Horst Karcher, dem singenden Präsidenten aus Sandhofen, kam gleich ein karnevalistisches Urgestein auf die Bühne. Derb, aber herzlich, mitunter sehr herzlich, präsentierten sich "Brummer und Spreißel", zwei Putzfrauen, die - auf ihre Besen gestützt- mitten im Leben stehen. Sie sind Sinnbilder für urige Fasnacht, sie schauen den Menschen aufs Maul und gegebenenfalls auch auf andere Körperteile. Sie verulken nicht nur andere, sondern verschmitzt lachend, auch sich selbst: "Ich hör' Stimmen unn seh kä Leit...". Gegenfrage: "Ach Gott, ach Gott, wann denn?" Antwort: "Immer, wenn ich telefoniere..."

Aus dem pfälzischen Dannstadt kam Rolf Ehlhardt und stellte sich als stolzer "Kater Stanislaus" vor. Als "Puppenanbaggerer" begeisterte Karl Altmann aus Gaggenau. Mit einer lebensgroßen Puppe, die er "sicher im Griff" hatte, flirtete er und dieses Zwiegespräch lief über Titeltexte bekannter Schlager- und Evergreenlieder ab. Eine lustige Idee mit der ein neuer Farbtupfer in die Prunksitzung kam.

Dann erklang lautstark die Reilinger Orstschell' und mit ihr kam der Ortsbüttel auf seinem edel-historischen Fahrrad. Das langezogene "Beeekanntmachung" hallte durch die Mannherz-Halle und der Ortsbüttel hatte manch Interessantes vom Ort zu verkünden. Vorder- und Hintergründiges und manch einer aus dem Gemeinderat kam nicht ganz ungeschoren davon.

So wusste der Ortsbüttel beispielsweise zu erzählen, dass der Polizeiposten künftig in die Postagentur im Kiosk integriert werden sollte. Das ganze soll dann "Popoziki" heißen, also   "Post-Polizei-Zigarren-Kiosk". Und die Polizisten könnten bei ihren Rundgängen gleich die Post mit austragen.

Der Ortsbüttel, in dessen Rolle wieder bravourös Gemeinderat Peter Geng geschlüpft war, erzählte auch von dem Gemeinderat der Ein-Person-Fraktion., der jetzt Gefahrenzulage verlange, zumal er erfahren habe, dass gewöhnlich "den Letzten die Hunde beißen."

Zu den Originalen der Pfälzer Fasnacht zählt zweifellos der Sitzungspräsident des Karnevalvereins Kaiserslautern, Oliver Sauer. Er ist bekannt als "de Molly" und seit Jahren Stammgast in Reilingen. Er erzählte von den Erlebnissen bei den Kannibalen und seinem Auftritt vor Gericht und versteht es vor allem durch seine Schlagfertigkeit und seine Spontaneität sein Publikum zu begeistern. Offen und direkt sind seine fröhlichen Spaße.

"Chapeau Claque" nennt sich das Trio aus Ettlingen, das mit Jens Adler, Eric Isenbarth und Thorsten Bäcker eine glänzende Travestie-Schau bot. "Wir sind Teilzeitfrauen" meinten die Männer in den extrem hochhackigen Stöckelschuhen. Ihre teils Live-, teils Playback-Show mit einer unwahrscheinlich großen Bandbreite von attraktiven - und weniger attraktiven ("Ich wünsch' mir zum Geburtstag einen Vorderzahn") Frauenfiguren ist ebenso gekonnt wie die Rückkehr vom "Glamour- und Glitzer-Girl" zum "ganz normalen Mann", wobei aus den Frivolen und Frechen der Nacht mit der großen Federboa der nachdenkliche Mann ("So leb' Dein Leben") wurde. Eine exzellente Show, keine Frage.

Für Stimmung sorgte dann wieder das "Karlsche" im knallroten Hemd, mit den hohen roten Schuhen sowie dem kleinen roten Auto. Präsident Eisenbast hatte wieder seine singende Rolle übernommen und brachte die Gäste der Mannherz-Halle so recht in Stimmung und Schwung. Ganz ohne zusätzliche Aufforderung klatschte und sang alles mit und die Wunderkerzen brannten.

Was sich im Prunksitzungsprogramm so ' romantisch "Blumen gehen auf" nennt, ist ein (mehr als) handfestes Männerballett aus den Reihen der gastgebenden "Käskuche". Der dezente Anblick der knallgrünen Umhänge wandelt sich sehr schnell mit dem Abwurf derselben. Hier präsentiert sich die Männerwelt als Männerwelt, auch wenn sie zu diesem Tanz Blüten auf dem Kopf trägt. Auf die unbekleideten Männerbäuche sind bunte Blumen gemalt, aufgrund der Größe der Bildfläche konnten sehr großformatige Blumen entstehen. Das Männerballett unter der Leitung von Trainerin Katja Englert war einmal mehr "füllige Flower-Power im kessen Käskuche-Format".

Zum Finale zogen schließlich die "Kerrlocher Schnappsäck" ein, eine exzellente Guggemusik in schwarz-silberner edler Kleidung und mit viel Temperament und Schwung. Sie setzten den gelungenen Schlusspunkt hinter die vielseitige Prunksitzung, der sich schließlich noch flotte Tanzmusik der Hauskapelle "Starlight" nahtlos anschloss.

Noch eine Nachbetrachtung der Gardeauftritte
"Ein Chaos mit Reißverschluss"
Die Garden imponierten

Das alles beginnt fröhlich und ganz natürlich und lebhaft bei den kleinsten Gardemädchen, liebenswerterweise "Krümelgarde" genannt, und Präsident Eisenbast nennt sie auch noch liebevoll "meine Präsidentengarde". Den Mädchen, unter ihnen die fünfjährige Carolin Müller, die am Samstag Geburtstag feierte und strahlte, als der ganze Saal für sie "Happy Birthday" sang, sieht man die Freude an der Bewegung an. Die Natürlichkeit ist viel wichtiger als die Exaktheit, gemeinsam anfangen, gemeinsam aufhören - und das zwischendurch klappt auch irgendwie. Viel Beifall auch für die Trainerin Nina Riedel und Betreuerin Tanja Klar, sowie Trainerin Claudia Friebus, die sich über die Erfolge des Jugendmariechens Daria Balatzki freut. Als amtierendes badisches Jugendmeisterpaar kamen Darja Balatzki und Lukas Müller auf die Bühne, die von Siggi Naber trainiert werden. Schwungvoll präsentierte sich die Jugendgarde unter der Leitung von Isabell Czech und Birgit Neuschäfer und ein "galaktisches Abenteuer" zauberte die Juniorengarde unter Nina Riedel und Heide Pöschel in die Mannherz-Halle.

Einen richtiggehend klassischen Gardetanz, schwungvoll inszeniert und exakt getanzt, präsentierte die Seniorengarde, die von Siggi Naber und Gerti Rösch trainiert und betreut werden. Mit der Elastizität ihrer sportlich-schwungvollen Bewegungen faszinierte das Seniorenmariechen Lisa Oppinger.

Faszinierend war einmal mehr die Schautanzgruppe. "Formel I-Fans in Hockenheim" lautet der Titel dieses Tanzes, dessen Dynamik allein schon für Hochstimmung sorgt. Die zwei Dutzend jungen Damen, darunter acht ehemalige Reilinger Prinzessinnen, wirbeln über die Bühne, vermitteln mit ihrer organisierten Hektik eine beeindruckende Lebendigkeit. Elisabeth Gärtner, die Reilinger Erfolgstrainerin, hat es zusammen mit Betreuerin Anne Grahlert verstanden, gewissermaßen ein "Chaos mit Reißverschluss" zu schaffen, bei dem plötzlich das Rennfieber auf die Zuschauer überspringt, wobei man mit den Mädchen die Daumen drückt, vor Freude über den Sieg die Arme hochwerfen möchte und bei der Hymne zumindest aufrecht auf dem Stuhl sitzt. Neben dem Beifall galten dieser Gruppe auch alle guten Wünsche für die kommenden süddeutschen Meisterschaften in Aschaffenburg.

Auszug aus SZ vom 9.2.2004